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Ich besuchte vor kurzem einen Freund ein einer Kleinstadt. Da er noch in einem Termin war hatte ich etwas Zeit. Ich suchte ein Kaffee und schlenderte deswegen durch die Fußgängerzone. Mir fiel ein kleines Schreibwaren Geschäft auf, das sich regen Zulaufs erfreute. Nachdem ich meinen Kaffee genossen hatte, interessierte mich dieses kleine Geschäft. Ich ging also hinein. Zwei schmale Gänge schlängelten sich durch dicht bestellte Waren in Regalen. An der Theke konnte man Lotto spielen und auch Pakete abgeben. Nach näherem Betrachten der Waren überwogen die Bücher und das Kinderspielzeug. Der Inhaber kannte scheinbar jeden Kunden persönlich und scheute sich auch nicht auf seine sehr natürliche aber auch direkte Art Fremde Menschen anzusprechen. „Wenn Sie meine Hilfe brauche, bitte laut schreien“ rief er mir durch den Raum entgegen. „Nein, ich wollte mich nur Umschauen“ entgegnete ich ihm. Die Bücher waren nach Themen geordnet, die Spielsachen nach Marken und dann wieder nach Themen. Ich hatte das Gefühl, dass dieses Geschäft einem Taubenschlag glich, denn obwohl der Laden nur ca. 50 qm Grundfläche hatte und gefühlte 10 qm frei begehbar waren, fanden sich in einer hohen Frequenz bis zu 15 Menschen in dem Laden. Sie wollten Karten kaufen, Lotto spielen, kleine Gewinne abholen, Bücherempfehlungen, Kinder wollten nur mal Kucken und dann doch alles gleich von ihren Eltern gekauft bekommen.

Ich habe mich gefragt, wann ich so ein Geschäft das letze Mal gesehen habe. Es wirkte ein bisschen unordentlich und strahlte gleichzeitig eine große Herzlichkeit aus. Ich fragte eine Kundin, wie lange es das Geschäft schon gibt und sie antwortete „Der Heinz macht das schon in der dritten Generation. Das ist für unsere kleine Stadt ne echte Institution. Wenn Sie was wissen wollen, dann müssen Sie hier her kommen, denn entweder weiß es der Heinz oder die Menschen, die hier einkaufen. Ja – man kommt hier auch zum schwätzen her. Das ist doch auch wichtig!“

Es war zwischenzeitlich 18.30 und Heinz begann die Produktständer im Aussenbereich langsam in den Innenbereich zu räumen. Wir kamen ins Gespräch: „Wie lange machen Sie das schon?“ Heinz meinte mit Tränen in den Augen „Seit 100 Jahren gibt es das Geschäft und seit 20 Jahren bin ich dabei! Und seit 10 Jahren ganz alleine mit 2 Aushilfen!“ Ich wusste jetzt nicht genau warum er so berührt war. „Ich hoffe, ich habe sie mit meiner Frage nicht verletzt?“ „Nein nein – Sie nicht! Aber meine Kundenberaterin bei meiner Bank hat vor kurzem zu mir gesagt, dass Sie bei diesen Zahlen den Laden schließen würde, sie würde so und so lieber im Internet bestellen und das machen alle ihre Freunde und Bekannten so!“

„Wissen Sie, die Frau ist Ende 20! Vielleicht ist das wirklich ein Trend, aber ich fühle mich hier sehr wohl und kann davon leben. Warum sollte ich denn nicht weitermachen. Die Menschen hier im Ort bestellen die ein oder anderen Dinge auch im Internet. Sie halten mir aber aus verschieden Gründen die Treue. Sie erhalten bei mir einen Individuellen Service, den ich ihnen im einzelnen gar nicht beschreiben kann.“ Ich fragte „Haben Sie vorhin bei der Dame angeschrieben?“ „Ja, das zum Beispiel“ Die Dame hatte nur ihren Geldbeutel vergessen. Hier kennt man sich.  Das geht schon in Ordnung.“

Als meine Freund schließlich nach seinem Termin in der Fussgängerzone vorbeikam, rief er schon von Weitem „Heinz, wie geht`s?“ und Heinz winkte ihm mit einer resignierenden Gäste von Weitem entgegen. Als wir zusammenstanden kamen Heinz wieder die Tränen. „Das Fräulein spricht nicht meine Sprache, Sie spricht Basel! Was meinst du damit. Sie versucht mir die ganze Zeit etwas von Basel 3 zu erzählen und irgendwelchen Unterlagen, die sie von mir brauch.“ Aber Heinz, um was geht es denn überhaupt? Brauchst du Geld von Ihr?“ „Es geht um unseren kleinen Kontokorrentkredit. Den will sie mir nicht verlängern, weil ich die Unterlagen nicht immer pünktlich bringe und auch nicht vollständig. Sie kam in meinem Laden und sagte mir, naja ihr wisst ja.“

Die Geschichte hat mich und meinen Freund, der auch in dieser Kleinnstadt wohnte so berührt, dass er sich zusammen mit dem Steuerberater von Heinz der Sache annahm. Dabei kam heraus, dass die Vermögensverhälnisse zwar nicht genau geordnet waren, aber dafür für einen Kontokorrentkredit und gelinde gesagt, weit darüber hinaus auf Jahre ausreichen müssten. Heinz hatte geerbt.

Wenn ich jetzt ab und zu in die Kleinstadt komme und meinen Freund besuche, gehen wir immer kurz zu Heinz und stellen uns in den Laden bringen ihm einen Kaffee mit und stellen dann irgendwann fest, dass der Kaffee kalt wird während wir uns anschauen, wie Heinz mit seinen Kunden scherzt.

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