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Meine Eltern haben mir ins Leben geholfen und so helfe ich Ihnen gerne, indem ich auch für Sie sorge, wenn sie es brauchen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer erzählen immer wieder wie sehr sie die Betreuung  und Pflege der eigenen Eltern belastet. Dabei wurden mir hauptsächlich die Umstände beschrieben, die die Pflege der Eltern erschwerten. In unserer Lebenswirklichkeit leben die Eltern kaum noch in häuslicher Gemeinschaft mit uns. Sie haben eigene Wohnungen oft an einem anderen Ort. Je nach dem wie weit dieser Ort entfernt ist, lässt schon eine erste große Hürde erkennen. Wie soll das gehen, dass man sich um seine Eltern kümmern kann wenn sie nicht in der Nähe wohnen. Das belastet viele „Kinder“, die aus beruflichen Gründen vom Heimatort wegziehen mussten oder auch wollten. Aber selbst wenn die „Kinder“ in der Nähe ihrer Eltern wohnen, stehen sie vor weiteren Hürden. In unserer Lebenswirklichkeit haben wir Wohlstand sehr stark mit finanziellem Wohlstand verknüpft. Unsere Werte haben sich verändert. Im Pflegefall fällt auf, dass Zeit zu nehmen (Dabei habe ich noch gar nicht berücksichtigt, dass mache Kinder damit auch psychisch überfordert sind) in Verhältnis steht, wie viel Zeit sich die Kinder leisten können. Früher war es noch „selbstverständlich“ dass eine Frau, die zu Hause sich um die Kinder gekümmert hat, gleichzeitig sich um die Eltern kümmern konnten, die in der Nähe oder gar in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. Diese Zeiten kann man wohl nicht mehr mit den aktuellen Lebenssituationen vergleichen. Heute arbeiten meist beide Partner ob selbständig oder angestellt. In vielen Fällen müssen auch beide zum erwünschten finanziellen Wohlstand beitragen. Wie passt also die Pflege der Eltern in unsere Lebenswirklichkeit?

Diese Frage habe ich mir ehrlicherweise ab dem Moment gestellt, als ich bewusster gesehen habe, wie die Menschen an anderen Orten und Kulturen zu diesem Thema eingestellt sind. Beispielsweise lernte ich eine türtische Geschäftsfrau um die 30 während einer Veranstaltung in Istanbul kennen. Sie war bereits Anfang der 2000er Jahre als Frau eine Managerin in einem türkischen Konzern und wurde als Generalmanagerin für einen Konzernzweig nach Amerika gesandt. Sie erzählte mir, wie glücklich sie sei mit dieser Berufung und dass sie sich gleichzeitig Sorgen um ihre Mutter hier in Istanbul machte. Ihr Vater war bereits gestorben und die Mutter war seit dem alleinlebend. Sie versicherte mir glaubhaft, wenn ihrer Mutter etwas zustoßen sollte oder wenn sie Pflege brauchte, würde sie sofort den Job kündigen und wieder zurück kommen. Das ist doch meine Mutter, sie hat mir ins Leben geholfen, das ist doch selbstverständlich, das würde ich gerne und vor allem aus Liebe zu ihr machen. Diese Aussage wirkte in diesem Moment sehr glaubwürdig, von Herzen  und ohne Selbstzweifel auf mich. Ich war beeindruckt.

Eine weitere Erfahrung habe ich in Marokko gemacht als ich mit einem marokkanischen Freund aus Deutschland sein Land besuchte. Als er mir Marrakech zeigte, fragte ich mich wo den hier beispielsweise Altenpflegeheime wären. Er meinte nur, das es solche Einrichtungen in Marrakech seines Wissens nicht gäbe. Die alten Menschen leben bei ihren Familien und werden dort auch gepflegt, wenn es nötig wird. Das ist selbstverständlich. In der Tat ist mir aufgefallen, dass selbst junge Menschen die studiert haben und beispielsweise Ärzte waren dann eben ein größeres Haus hatten, wo die Generationen miteinander wohnten. Arme alte Menschen auf der Straße fielen mir deshalb auf, weil sie von den Restaurants immer einen Tee und ein Stück Brot bekamen – ohne zu zahlen. Danach gingen sie wieder ihrer Wege. Viele, die ich sah wirkten  – obwohl sie doch die ein oder andere Zahnlücke freundlich lächelnd zeigten, glücklich .

Mir ist schon klar – dass man diese individuellen Beobachtungen nicht verallgemeinern kann, doch scheint es beim Zusammenleben in Familiären Bünden doch noch kulturelle gemeinschaftliche Einstellungen zu diesem Thema zu geben, die unabhängig von Bildung und Alter zu beobachten sind.

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